Stadionneubau im Feistritztal: Gelbe Karte sorgt schlussendlich für frischen Wind

Florian Wachmann, Bäckermeister und Kopf der Wachmann Muehle trifft auf Erwin Koller, Obmann des Hirnsdorfer Sportvereins (HSV). Der eine bäckt Brot, der andere trägt Fußballspiele aus. Fast zu gut zum Teilen hat die beiden bei einem Gespräch über ihre Leidenschaften und das Feistritztal belauscht und erfahren, warum sie denken, dass der neue Sportplatz für frischen Wind in der Region sorgen wird.

Lesezeit: 8 Minuten

Ein Fußballspiel dauert bekanntlicherweise oft kurzweilige, manchmal auch lange 90 Minuten. Der gesamte Backprozess eines Roggennatursauerteigbrotes hingegen dauert ganze 17 Stunden. Doch was verbindet diese beiden wunderbaren Dinge des Lebens? Florian Wachmann und Erwin Koller zeigen es vor. Wie stehen sie zu Regionalität und Nachhaltigkeit? Und was bringt der neue Sportplatz des HSV Hirnsdorf? Bei einer Begehung der Fußballanlage verfolgten wir sie bei einer „Diskussion unter Freunden“. Denn Männer tratschen ja bekanntlich nicht, sondern diskutieren ja nur…

Erwin Koller (li.) und Florian Wachmann am neuen Sportplatz.
© Rene Strasser

Diskussionsthemen gab es genug, schließlich kritisierten Gegner von Anfang an die hohen Kosten der Stadionerneuerung und erörterten die Sinnhaftigkeit des Umbaus aufgrund fehlendem Fußballnachwuchses. (Anm. der Redaktion: Kleine Zeitung berichtete: „Stadionumbau: Opposition zückt gelbe Karte“)

Erwin Koller – Gleich am Beginn möchte ich dich was fragen. Stimmt es, dass du gar kein so großer Fußballfan bist?

Florian Wachmann – Ja, das stimmt. Ich hab nie Fußball gespielt. Ich bin der unsportlichste Mensch auf der ganzen Welt.

Erwin Koller – Warum hast du dich dann dafür entschieden, den Fußballverein Hirnsdorf zu sponsern? Ich bin natürlich als Obmann des Sportvereins von Hirnsdorf (HSV) sehr dankbar dafür, aber deine Antriebsgründe habe ich doch noch nie erfragt…

Florian Wachmann – Wir haben beschlossen, nur mehr die örtlichen Vereine zu unterstützen und keine Überregionalen. Außerdem besteht ja schon eine langfristige Partnerschaft zwischen uns und wir sind ja sozusagen „Nachbarn“. Und unter Nachbarn tut man schließlich was man kann, oder? Es geht darum, die Regionalität des Feistritztales zu erhalten und zu fördern. Ich unterstütze euch gern mit dem Mitgliedsbeitrag im Jahr, jedoch steigere ich ja durch den Aufdruck meiner Marke auf die Fußballdressen und die Werbetafeln auch meinen Bekanntheitsgrad.

Die Dressen mit Logo der Wachmann Muehle.
© Rene Strasser

Erwin Koller – Investition in die Region wird früher oder später immer belohnt werden. Danke an dieser Stelle für deine Unterstützung. Mit deinem Engagement und weiteren zahlreichen Mitgliedern, Unterstützern und Helfern werden Kinder und Jugendliche unserer Region in Sport und Gesundheit gefördert. Es ist wirklich wichtig für Kinder und Jugendliche Sport zu treiben. Wir sorgen dafür, dass im Feistritztal ein passendes Angebot zur Verfügung steht! (Anm. der Redaktion: Wichtigkeit des Sports für Kinder)

Florian Wachmann – Du hast Recht, so gibt es für unsere Kinder und Jugendliche mehr Freizeitangebote in der Region. Durch die Erneuerung des Sportplatzes wird bestimmt frischer Wind in die ganze Sache kommen. Doch was ist jetzt genau das Tolle am neuen Fußballstadion und welche Vorteile hat es im Vergleich zum Alten? Und wie viel hat es wirklich gekostet?

Erwin Koller – Ich beginne mal mit den Hardfacts: Das neue Fußballfeld hat eine Größe von ca. 90 mal 62 Meter. Die Kabinen, Kantine und Sanitäranlagen wurden komplett erneuert. Inklusive Platzsanierung, Flutlichtanlage und Ballfanganlage kam es auf ca. 745.000 Euro. Natürlich ist das viel Geld, das in die Hand genommen wurde, aber man weiß ja, dass jeder Euro, den man in Sport investiert doppelt in Form von Umwegrentabilität für die Gemeinde zurückkommt. Im Zuge der Gemeindezusammenlegung wurde das Projekt auch zu 50 Prozent vom Land und Gemeinde mit Eigenleistungen des HSV und des Hobbyclubs Weinberg gefördert. Deswegen wird es auch voraussichtlich in „Stadion Feistritztal“ umbenannt werden.


Der neue Sportplatz von oben.
© Rene Strasser

Das Neubauprojekt, welches von der Firma Plankreis Hartberg geplant und von Kulmer Bau gebaut wurde war unausweichlich. Denn beim alten Sporthaus ist der Verputz abgebröckelt, die Isolierung war nur mehr zum Teil vorhanden und die alte Sportanlage war einfach schon über 40 Jahre alt, und schon mehr als nur abgenutzt. Da kann man nicht schnell mal „nur die Sanitätsanlagen und das Notwendigste“ renovieren. Im Neuen funktioniert jetzt alles einwandfrei und ist nach den hygienischen Standards eingerichtet. Das ist mir schon wichtig. Das Schöne daran ist, dass man den Fußballern eine gewisse Motivation zurückgibt. Auch die Eltern werden ruhiger und zufriedener, denn sie wissen ja, dass ihre Kinder sich dort umziehen und duschen und keine Krankheiten holen können. Da möchte man schon, dass die Anlagen schön hergerichtet, sauber und in super Zustand sind.

Die neuen Duschkabinen – einfach zweckmäßig und modern.
© Rene Strasser

Florian Wachmann – Das wäre mir als Vater auch ganz wichtig. Sauberkeit ist schließlich an oberster Stelle, wie auch in meinem Betrieb. Doch welche Angebote gibt es denn jetzt genau für Kinder und Jugendliche der Region Feistritztal?

Erwin Koller – Wir arbeiten jetzt mit Kindern ab sechs Jahren und trainieren sie. Da wir nicht immer in jeder Altersklasse eine ganze Mannschaft bilden können, arbeiten wir mit Stubenberg, Großsteinbach und Pischelsdorf zusammen, damit wir ganze Jugendmannschaften zusammen bekommen. Das ist im Jugendbereich natürlich notwendig. Wir tauschen uns dann aus, einmal wird dort und dann da trainiert, damit alle Einrichtungen genutzt werden. Ganz nach der Aussage des Geschäftsführers des Steirischen Fußballverbands Thomas Nußgruber „Wenn das Umfeld passt, kommen die Kinder“ setzen wir darauf, dass sich durch den neuen Sportplatz in Zukunft mehr Kinder im Feistritztal für Fußball begeistern werden.


Hans Falk, erfolgreicher Trainer der Kampfmannschaft
© Rene Strasser

Florian Wachmann – Verstehe, das klingt ja alles sehr aufwändig. Hätte ich einen Sohn würde ich ihn jedenfalls sofort über die Straße zum Sportplatz schicken und hoffen, dass er etwas Sportbegeisterter wäre als ich. Doch sag´ mal, gibt es auch was für Mädchen? Wenn jetzt zum Beispiel meine Tochter Mona Lust hätte, die erste Mädchen Fußballmannschaft im Feistritztal aus dem Boden zu stampfen, würdet ihr sie dabei unterstützen?

Erwin Koller – Früher gab es einmal eine Damen-Hobbymannschaft bei uns, aber für unsere Mädchen gibt es eigentlich speziell noch nichts. Das liegt daran, dass bis jetzt das Interesse unserer Mädels doch noch nicht so groß war. Wenn sich dieses Interesse wieder aufbauen würde, würde ich diejenigen sicherlich dabei unterstützen. Aber du brauchst halt eine ganze Mannschaft. Wenn du die mal hast, dann steht ja nichts im Weg.

Florian Wachmann – Super, das werde ich ihr ausrichten. Doch was versucht ihr den Kindern im Verein überhaupt zu vermitteln?

Erwin Koller – Zuerst überhaupt einmal das Schöne darin, Sport in der freien Natur auszuüben und nicht nur vor dem Computer. Das ist auch sehr wichtig meines Erachtens, die reale Welt wieder kennen zu lernen. Fußball spielen am Rasen ist etwas anderes als Fußball spielen am PC. Da spürst du es auch wirklich, wenn dir jemand gegen das Schienbein klopft… Der Umgang mit realen Gegnern soll wieder natürlich erlernt werden. Teamgeist ist hier natürlich auch eine ganz große Sache. Man sieht das immer wie begeistert sie sind, wenn sie ein Tor schießen, und sie im Team gewinnen. Deswegen sind der Teamsportgedanke und das Miteinander natürlich die wichtigsten Werte, die wir zu vermitteln versuchen.

Florian Wachmann – Klar, das ist in meinem Metier nicht anders. Brotbacken könnte man auch als Mannschaftssport ansehen. Teamgeist ist da das Wichtigste überhaupt. Das ist das Gleiche wie beim Fußball. Einer alleine wird nix zusammenbringen, aber alle zusammen schon. Doch in meiner Backstube zählen nicht nur die internen „Umgangsformen“ sondern auch das, wofür wir als Wachmann Muehle generell stehen. Das ist Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Regionalität. Als einer der wenigen Klimaschutzbetriebe im Feistritztal versuchen wir die Umwelt vor der Haustüre und das Klima weltweit zu schützen. Mit 100 Prozent hauseigener Wasserkraft produzieren wir komplett CO2 frei und schützen mit unserer Ausrichtung und Haltung langfristig somit unser Feistritztal. Habt ihr im Fußballverein auch irgendwelche Ambitionen aktiv die Umwelt zu schützen? Wie stehst du dazu?

Erwin Koller – Umweltschutz ist sicher eine wichtige Sache. Nachhaltigkeit natürlich auch. Wir verwenden in der Kantine beim Sportverein nur waschbare Hart(plastik)becher, keine Wegwerfbecher, weil das wirklich viel Müll produzieren würde. Wir kaufen auch Getränke sowie Weine nur aus der nächsten Umgebung, also aus unserer Region. Und nur Glasfalschen, die wiederverwendbar sind. Wo es möglich ist, versuchen wir hier umweltfreundlich und nachhaltig zu handeln.

Beim Bau vom Gebäude haben wir auch darauf geachtet, diesen Aspekt zu berücksichtigen. Zum Beispiel heizen wir mit einer Luftwärmepumpe. Das heißt wir haben auch keine CO2 Emissionen, sondern es wird nur mit Strom betrieben. Bezüglich Energieverbrauch versuchen wir einen guten Wert hinzubekommen. Im Großen und Ganzen ist uns alles glaub‘ ich sehr gut gelungen.

Florian Wachmann – Das glaub ich auch. Auch wir versuchen nachhaltig zu wirken. Mit unserer Facebook Kampagne Fast zu gut zum Teilen (#fzgzt) und der nachhaltige Produktion versuchen wir das Feistritztal und seine Natur, seine Schönheit und seine alten Traditionen zu beschützen und vor allem, die vielen kleinen Gemeinden als „Feistritztal“ zu vereinen.

Erwin Koller – Das ist ein guter Ansatz. Auch für mich ist der Zusammenschluss der Gemeinden im Feistritztal sehr wichtig und auch schon längst überfällig gewesen, weil wir einfach gewisse Ressourcen im Laufe der Zeit einsparen werden. Das wird sich auf die Schnelle nicht zeigen, aber der Zusammenhalt von fünf Gemeinden wird ersichtlich machen, um wieviel besser das ist, als wenn jede selbst für sich kämpft und besser als die Nachbarsgemeinde sein will. Das führt nur in eine negative Spirale.

Den Zusammenhalt und die Nachhaltigkeit sieht man ja auch schon bei uns. Du unterstützt uns wirklich immer, zum Beispiel bei unserer Open Air Disco stellst du uns immer deinen Lastwagen zur Verfügung, welchen wir als Bühne verwenden für den DJ.

Florian Wachmann – Ja, das sind Kleinigkeiten, nette Gesten, die ja nichts kosten. Da ist ja nix dabei…

Erwin Koller – Aber uns ist „über geholfen“ weil, wie es halt so oft der Fall ist kommt dann genau der Regen, und somit haben wir aber das Technik Equipment unter Dach. Wenn das nicht der Fall ist dann wird das sehr teuer. Also hier haben wir echt einen guten Zusammenhalt. Apropos Zusammenhalt. Wir halten auch alle im Feistritztal zusammen und vor allem am Leben. Wir haben am Sportplatz dank der Heartbeat Foundation, einen Defibrillator, der verhindern soll, dass es mit der richtigen Hilfe im Notfall zu keinem plötzlichen Herztod im Sport kommt. Den hatten wir zwar beim alten Sportplatz auch schon, aber jetzt ist er besser ersichtlich und für jeden in der Bevölkerung greifbar – es ist bisher der einzig öffentlich zugänglichen Defibrillator in der Gemeinde Feistritztal. Auch das ist ein gesunder Mehrwert für die Region.

Sektionsleiter Wolfgang Wiesenhofer präsentiert stolz den öffentlich zugänglichen Defibrillator.
© Rene Strasser

Florian Wachmann – Das finde ich persönlich sehr wichtig und beruhigend, wie du weißt. Es ist mir als Unternehmer auch wichtig zu wissen, dass man beruhigt jeden Tag an die Arbeit gehen kann, wenn ich weiß, dass ein Defi nur über die Straße angebracht ist und man im Notfall Mitarbeitern und Kunden helfen könnte. Doch nun prinzipiell, die offizielle Eröffnung des Sportplatzes steht doch an. Wann ist sie und was sind die Highlights?

Erwin Koller – Die Eröffnung findet am 9. Juli 2017 statt. Genau deswegen muss ich jetzt auch gleich los, da gibt es heute noch eine Sitzung. Dann werden wir sehen wie weit alles ist… Im Prinzip gibt es ein relativ klassisches Programm. Wir beginnen um 09:00 Uhr mit den Ansprachen und Ehrungen vom Fußballverband. Danach gibt es eine kurze Messe, wie es so bei uns am Land halt üblich ist. Im Nachhinein spielt die Blasmusikkapelle St. Johann bei Herberstein und ab 14:00 Uhr sind dann einige Fußballspiele angesagt. Es wird sicher ein großartiger Tag für alle werden. Ich hoffe du lässt ihn dir nicht entgehen?

Florian Wachmann – Nein, da komm’ ich sicher mit meiner Familie und feuer‘ unsre Jungs kräftig an ☺

 

 

FAST ZU GUT ZUM TEILEN

Die Muehle. Ein Laib.

Der Muehlenlaib ist Sinnbild für eine bewusste Grundlage des nachhaltigen Lebens und der Kultur im Feistritztal. Ein Leben und eine Kultur, die eben auch fast zu gut zum Teilen scheint. Viele Feistritztaler folgen dem Aufruf, das Feistritztal weiterhin zu beschützen. Mitmachen kann jeder mit dem Hashtag #FZGZT auf Facebook. Im Blog zum Feistritztal www.fast-zu-gut-zum-teilen.info teilen wir diese und weitere Geheimnisse vom Leben, der Kultur und den Produkten aus und rund um die Feistritz unter uns Freunden.

Comments (1)

  • Christian T. 18. Juni 2017 Reply »

    Super Bericht und tolle Aufnahmen!!!

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